Sicherheit am Berg:

Wie die Bergwacht im Harz Leben rettet

 

Bergwacht? Das sind doch die mit dem gelben Hubschrauber – und der Chef trägt diese gelbe Jacke? Nein, nur im Fernsehen. Im echten Leben sieht das deutlich anders aus. Über 12.000 Menschen engagieren sich in Deutschland in den regionalen Bergwachtgruppen. Ihnen allen gemeinsam ist: Niemand trägt eine gelbe Jacke, aber alle sind Teil des Deutschen Roten Kreuzes, kurz DRK.

Kalter Wind pfeift durch die Bäume am Oderteich, Raureif liegt auf den Fichten. Trotzdem sind viele Gäste im Oberharz unterwegs. Holzbohlenwege und Wurzeln sind glatt, was mystisch aussieht, wird für Wanderer schnell zur Falle. Manches Sprunggelenk hat hier schon aufgegeben. Ist die nächste Straße weit entfernt, kommen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Bergwacht zum Einsatz.

Einsatzübung am Oderteich im Harz: Die Bergwacht Sankt Andreasberg bringt einen verletzten Wanderer sicher aus dem Gelände.

Rettung im Gebirge – getragen vom Ehrenamt

Über 13.000 Menschen werden im Durchschnitt jedes Jahr von den Aktiven in Deutschland medizinisch versorgt. Das sind rund 35 pro Tag. Im Sommer wie im Winter sind die Spezialistinnen und Spezialisten für dier Rettung im Gebirge rund um die Uhr einsatzbereit. Alles ehrenamtlich. Geld bekommen die Frauen und Männer für ihre Arbeit nicht. Das gilt auch im Harz. Zur Bergwacht Harz zählen Bergwachtgruppen in Thale, Wernigerode, Halberstadt, Langelsheim, Vienenburg, Clausthal-Zellerfeld und Sankt Andreasberg sowie eine spezielle Gruppe für Rettungen aus dem Altbergbau.

In den Rucksäcken der Bergwacht steckt alles, was für die Erstversorgung gebraucht wird, vom Verbandsmaterial bis zum AED.

Hilfe auf Rädern (auch abseits der Straße)

 

Mit Blaulicht rauscht der VW Amarok der Bergwacht heran. Der geländegängige Pickup ist weit mehr als ein normales Einsatzfahrzeug: Er transportiert Material, Personal und Verletzte auch durch unwegsames Gelände. Wo sonst eine Ladefläche wäre, befindet sich eine feste Kabine, fast wie bei einem Rettungswagen auf grobstolligen Reifen.

Während Bergwachtleiter Asselmeier die Funktionen erklärt, bauen die Helferinnen und Helfer die Gebirgstrage zusammen. Sie ist eines der wichtigsten Rettungsmittel der Bergwacht: Der Patient wird darin stabil gelagert und gesichert, ein geländegängiges Rad unter der Trage erleichtert den Transport.

 

Gemeinsam im Einsatz: Die Bergwacht Sankt Andreasberg trainiert die Rettung mit der Gebirgstrage

Helfen will gelernt sein: Gut ausgebildet für Sommer und Winter 

Rund um Braunlage sind vor allem die Sankt Andreasberger aktiv. Ob Wanderer am Oderteich oder Skifahrer am Wurmberg: Fünfzehn Aktive kümmern sich um das weiträumige Gebiet. Nachwuchs gibt es ebenfalls – vier junge Leute bereiten sich in der Jugendgruppe auf ihren Weg zur Bergwacht vor.

2025 wurde die Bergwacht 105 Jahre alt, eine lange Tradition des Helfens. Wer dabei sein will, braucht eine vielseitige Ausbildung: medizinisches Wissen ebenso wie spezielles Training für Einsätze im Gelände. Weil sich Sommer- und Wintereinsätze deutlich unterscheiden, gibt es für beide Jahreszeiten eigene Prüfungen. Im Harz arbeiten die Bergwachten aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen dabei eng zusammen.

 

Warum Vorbereitung im Harz so wichtig ist

 

2024 rückten die Sankt Andreasberger Helferinnen und Helfer fünfzigmal außerhalb der Skisaison aus, zwanzigmal davon in und um Braunlage. In Erinnerung bleibt besonders eine große Personensuche: Ein Wanderer hatte sich auf dem Rückweg vom Brocken verlaufen. 40 Menschen von Feuerwehr und Bergwacht suchten nach ihm, bevor er schließlich selbst in sein Hotel zurückfand. Weil sein Handyakku beim Notruf fast leer war, war eine genaue Ortung nicht mehr möglich.

Unvorbereitet sollte man auch im Harz nicht loswandern, sagt Martin Asselmeier, Leiter der Bergwacht Sankt Andreasberg. Dazu gehören festes Schuhwerk, gute Orientierungshilfen, ein geladenes Handy und am besten eine Powerbank im Rucksack.

 

Wer hilft, braucht Unterstützung 

Finanziert wird die Bergwacht in Niedersachsen unter anderem über die Krankenkassen, die die Einsätze bezahlen. Davon bekommen die Ehrenamtlichen selbst kein Geld, aber Material und Ausrüstung können so finanziert werden. Zusätzlich ist die Bergwacht Teil des Geländerettungskonzeptes des Landkreises Goslar und auf Spenden angewiesen – denn gutes Material ist teuer, und auch der Amarok ist inzwischen schon im zehnten Jahr unterwegs.

Damit ihr sicher durch den Harz kommt, gehört eine gute Vorbereitung dazu. Und falls doch etwas passiert: Die Bergwacht erreicht ihr über die 112.

 

Fotos/Beitrag: Stefan Sobotta

Im Spezialfahrzeug der Bergwacht wird alles für den Weitertransport vorbereitet