Andreas Neigenfindt – Hüter der Wilden Wiesen:

Landwirt in zweiter Generation im Harz

 

Wer auf den Bergwiesen rund um Sankt Andreasberg wandert oder mit dem Mountainbike unterwegs ist, wird ihnen früher oder später begegnen: Den roten Angus-Rindern vom Neigenfindt-Hof. Andreas Neigenfindt bewirtschaftet den Bergbauernhof auf der Kuppe in zweiter Generation. Auf rund 730 Metern Höhe über dem Meer ist sein Hof der höchstgelegene landwirtschaftliche Betrieb Norddeutschlands.

Eine alte Preisauszeichnung der Kuhfamilienschau von 1964

Der höchstgelegene landwirtschaftliche Betrieb Norddeutschlands

Da hier oben die Witterung im späten Herbst und Winter schon recht rau sein kann, werden die 25 Mutterkühe mit ihren Kälbern und auch die Bullen ab November in den Freilaufställen des Hofs untergebracht. Hier ist es gemütlich: sie haben eine dicke Lage Stroh unter den Hufen und bekommen Grassilage-Häcksel und Rübenmelasseschnitzel zu fressen. 

Für Stroh und Häcksel sorgt Neigenfindt selbst. Denn seit 1988 ist er um die Bergstadt Sankt Andreasberg für die Pflege der alten Kulturlandschaft zuständig: die Bergwiesen. Sie gehen auf die besonderen Rechte zurück, die den Bergleuten und ihren Familien im Harz ab 1527 mit dem Stallmist der Tiere gedüngt. So macht es Andreas Neigenfindt auch heute noch.

Andreas zeigt ein altes Foto der Breiten Straße in Sankt Andreasberg

Damit die vielen blühenden Pflanzen auf den Wiesen erhalten bleiben, mäht Neigenfindt erst nach der Wiesenblüte

 

Durch diese Weidewirtschaft entstanden große artenreiche Grünflächen, auf denen bis heute auch seltene Kräuter, wie zum Beispiel Arnika, wachsen, die sich gewährt wurden – die sogenannte Bergfreiheit. Sie erlaubte unter anderem die Rodung des Waldes, um Weiden und Wiesen anzulegen. Zudem durfte das Vieh in den Forst auf die Waldweide getrieben werden.

Zur Selbstversorgung hielt damals jede Familie eine kleine Zahl von Rindern oder Ziegen, die daher auch „Kühe des kleinen Mannes“ genannt wurden. Um Winterfutter für die Tiere zu gewinnen, wurden die Wiesen außerdem regelmäßig gemäht und nach der letzten Mahd im Jahr sonst erst wieder im Alpenraum finden lassen. Damit die vielen blühenden Pflanzen auf den Wiesen erhalten bleiben, mäht Neigenfindt erst nach der Wiesenblüte.

 

Andreas Neigenfindt - Oberhirte aus Sankt Andreasberg

Eine besondere Rolle: Mit roten Angus-Rindern für lebendige Wiesen

Dadurch können sich die Pflanzen auf natürliche Weise selbst aussähen. Diese Pflege und nachhaltige Bewirtschaftung fördert auch die Europäische Union. Mit den Fördergeldern aus Brüssel sollen auch ehemalige Bergwiesen wieder als solche hergestellt werden. Die Sankt Andreasberger feiern seit einigen Jahren ihr grünes Kulturerbe jeweils im Juni mit einem Wiesenblütenhoffest.

Dabei spielen die roten Angus-Rinder des Bergbauern eine besondere Rolle: Beim sogenannten Kuhaustrieb wird die Herde, nachdem sie traditionell einen Bach durchquert hat, einmal durch die Bergstadt bis auf die Kuppe zum Neigenfindt-Hof getrieben. Alles unter den wachsamen Augen von Andreas Neigenfindt, der auch das Amt des Oberhirten von Sankt Andreasberg innehat.

Harzer Füchse Emmi und Lotta  sind auch stets mit von der Partie

 

Neben weiteren Hirten helfen ihm dabei seine roten Hütehunde: Die Harzer Füchse Emmi und Lotta. Sie sind auch stets bei der täglichen Arbeit mit von der Partie. Daher können Besucherinnen und Besucher der Sankt Andreasberger Bergwiesen, wenn sie am Hof des Landwirts vorbeikommen, nicht nur den Rindern Neigenfindts, sondern auch seinen beiden freundlichwachsamen Hundedamen begegnen.